Erziehungsfähigkeit

Dem Begriff Erziehungsfähigkeit kommt im Familienrecht in zwei Fällen eine zentrale Bedeutung zu: Zum einen bei sogenannten "Inobhutnahmen", das heißt dann, wenn das Jugendamt der Auffassung ist, das Kind würde bei seinen Eltern oder einem alleinerziehenden Elternteil verwahrlosen oder sein Wohl sei dort aus anderen Gründen bedroht. Zum anderen nach einer Scheidung bzw. Trennung der Eltern, wenn sich jene nicht über die Regelung des Umgangs mit ihren minderjährigen Kindern einigen können. Insbesondere konservativ denkende Familiengerichte beauftragen dann regelmäßig Gutachter, die darüber befinden sollen, wer der "bessere" Elternteil ist, dem der Lebensmittelpunkt zuerkannt werden soll.

 

Definition, Probleme

In ihrem Buch Familienrechtspsychologie (ISBN 3-8252-8232-5) definieren Harry Dettenborn und Eginhard Walter den Begriff wie folgt:

"Erziehungsfähigkeit bedeutet, an den Bedürfnissen und Fähigkeiten eines Kindes orientierte Erziehungsziele und Erziehungs­ein­stellungen auf der Grundlage angemessener Erziehungs­kenntnisse auszubilden und unter Einsatz ausreichender persönlicher Kompetenzen in der Interaktion mit dem Kind in kindeswohldienliches Erziehungs­verhalten umsetzen zu können."[1]

 

Als mögliche Erziehungsziele nennen die Autoren beispielhaft Normorientierung, Individualität (Erwartungen an eine mehr oder minder unabhängige, selbst­bewusste und selbst­ständige Lebens­führung), soziale Kompetenz, Leistungsorientierung, Bildung, Geschlechterrollen­verhalten, soziale Konformität, Befolgung von Prinzipien und Kreativität. Dabei sagen sie, dass Bewertungen der Erziehungs­fähigkeit zurückhaltend vorzunehmen seien und nicht abwertend sein sollten. Grundsätzlich wäre eine Vielfalt von Erziehungs­verhalten und Verhaltens­dispositionen zu tolerieren, sofern eben nicht Grund­be­dürfnisse des Kindes verletzt oder dessen Fähigkeiten ignoriert würden.[2]

Problematisch ist, dass der Begriff als wissenschaftlich nicht abgesichert gilt, weil Erziehungs­fähigkeit nicht objektiv festgestellt bzw. gemessen werden kann.[3]  Es existieren keine anerkannten Methoden, um das Konstrukt Erziehungsfähigkeit in beweis­erheblichem Sinne messen zu können. Dennoch tun insbesondere Gutachter, die den Begriff verwenden, so, als besäßen Menschen eine angeborene und messbare Eigenschaft oder Fähigkeit zum Erziehen und es wäre möglich, Menschen nach bestimmten Merkmalen zu untersuchen, um dann sagen zu können, ob sie diese Fähigkeit hätten oder nicht. Dabei wird eine künstliche Einteilung von Menschen vornommen in solche, die erziehen können und anderen, welche nicht erziehen können. Gleichzeitig wird unterstellt, dass für eine förderliche Entwicklung eines Kindes nur die richtige Erziehung zum Erfolg führe. Kinder werden hier wie ein Stück Knete betrachtet: Wer die richtigen Modellier­fähigkeiten sprich Erziehungs­fähigkeiten besäße, so wird geglaubt, kann aus dem Stück Knete einen psychisch gesunden Menschen formen.

Fragt man Gutachter danach, an welchen Merkmalen sie nun erkennen können, ob ein Mensch erziehungsfähig sei, erhält man grundsätzlich keine klaren Antworten und schon gar keine wissenschaftlich fundierten Begründungen. Denn das Konstrukt Erziehungs­fähigkeit birgt folgende Schwierigkeiten, welche in gutachterlicher Hinsicht zur Unmöglichkeit einer Beantwortung der Beweisfrage führt:

  • Weder die Pädagogik (= Wissenschaft von der Erziehung) noch die Sozial-Pädagogik kennt den Begriff ; in den  Erziehungs­wissen­schaften ist "Erziehungs­fähigkeit" als mess- oder beschreibbare Eigenschaft nicht existent. 
  • Auch in der wissenschaftlichen Psychologie wird der Begriff nicht verwendet, geschweige denn definiert.[4]

Fakt ist: Vermeintlich objektive Aussagen über ein Mehr oder Weniger an erzieherischer Eignung bei den Kindeseltern auf der Basis mehr oder weniger obskurer Untersuchungen sind letztlich nicht exakt, sondern stets subjektive Meinungen und Deutungen.

Der bekannte Psychologe Dr. Wolfgang Klenner bezeichnete die Frage nach einer generellen Erziehungs­fähigkeit von Eltern als unsinnig und unpräzise. Zumindest müsse immer konkret benannt werden, im Hinblick auf wen die Erziehungs­fähigkeit beurteilt werden soll.[5] Zur Begründung sagte Klenner, Erziehungsfähigkeit sei eine relationale Fähigkeit. Das heißt, ein und dieselbe Person könne bezüglich eines Kindes mehr erzieherische Kompetenzen haben und zu einem anderen Kind geringere erzieherische Kompetenzen. Das ist der normale Alltag von Eltern wie auch von Lehrern. An einem Kind verzweifelt der Lehrer fast und glaubt bald daran, generell als Lehrer zu versagen, mit anderen Kindern aus derselben Klasse kommt er sehr gut zurecht. Ebenso geht es Eltern, mit der pubertierenden Tochter schreit sich ein Vater an, mit dem fünfjährigen Sohn klappt es wunderbar.

Fazit:

Eine wissenschaftlich fundierte Aussage zur Frage, ob jemand erziehungsfähig sein soll, ist nicht möglich. Im juristischen Sinne lässt sich daher weder beweisen ob jemand erziehungsfähig ist, noch lässt sich generell eine Aussage treffen, dass eine Person erziehungsfähig sein könne. Auch die öfters in Gutachten anzutreffende Feststellung einer eingeschränkten Erziehungsfähigkeit lässt sich mit wissenschaftlichen und damit beweiserheblichen Methoden nicht belegen.[3]

 

Kriterien

Auch wenn der Begriff Erziehungsfähigkeit wissenschaftlich nicht abgesichert und seine Verwendung in Umgangsverfahren problematisch ist, sollen im Folgenden einige Kriterien genannt werden, zu denen sehr wohl in gewissem Umfang Aussagen getroffen werden können, sofern das Gericht bzw. die von ihm beauftragten Sachverständigen zu einer halbwegs sorgfältigen Beweiserhebung und insbesondere zu einer neutralen Würdigung der erhobenen Beweise bereit sind. Von voreingenommenen Gutachtern bzw. Familienrichtern, die partout darauf hinauswollen, der Mutter den Lebensmittelpunkt zuzuschanzen, werden solche "harten" Fakten aber oftmals ignoriert.

 

1. Der Förderungsgrundsatz

Im familiengerichtlichen Diskurs steht die Erziehungsfähigkeit in einem engen Zusammenhang mit dem Förderungs­grundsatz. Bei letzterem kommt es nach der ständigen Rechtsprechung - sprich: in Gerichtsbeschlüssen immer wieder zu lesenden Formulierungen - darauf an, inwiefern Eltern die "Bereitschaft, Fähigkeit und die Möglichkeit zur Förderung des Kindes" haben.

Zumindest die zeitlichen Möglichkeiten sind im konkreten Einzelfall objektivierbar und auch mit Blick auf die unterschiedlichen Fähigkeiten der Elternteile sollte dies wenigstens halbwegs gelingen (Vergleich der erworbenen Schulabschlüsse und beruflichen Qualifikationen; Nachweis besonderer Stärken durch Schulzeugnisse). Daneben sind bei schulpflichtigen Kindern eventuell auch die "Erfolge" der Bemühungen eines Elternteils bzw. seines Anteils an einer guten Förderung ablesbar. Dies z. B. dann, wenn beide Elternteile jeweils für bestimmte Perioden die Hausaufgabenbetreuung etc. übernommen haben und ein Vergleich der Schulzeugnisse für die betreffenden Zeitabschnitte große Unterschiede erkennen lässt. Darüber hinaus gehört zu einer guten Förderung natürlich auch, Kinder zum Betreiben von Sport oder anderer, z. B. musischer Aktivitäten in ihrer Freizeit anzuhalten.

Zwei Unterthemen

Schon die heutige Großelterngeneration musste sich in jungen Jahren mit ihren Eltern darüber auseinandersetzen, wie viel Fernsehen der kindlichen Entwicklung zuträglich sei. Bereits damals wurde unterschiedlich bewertet, welche "Dosis" als akzeptabel und hinnehmbar erachtet werden kann. Es darf aber vermutet werden, dass es seinerzeit nicht ganz so erheblich war, ob ein Kind mal ein paar Minuten länger vor der Glotze gesessen hat und außerdem war die Gefahr, dass Kinder im Vorabendprogramm auf falsche Inhalte stoßen, eher gering. Seit Gründung der privaten Fernsehsender sind die Dinge schwieriger geworden. Fernsehen beginnt nun nicht mehr erst um 17.00 Uhr, sondern schon früh am Morgen bzw. es wird auch die Nacht hindurch gesendet und die Inhalte sind teilweise so brutal oder blöd oder beides zusammen, dass Eltern sehr wohl darauf achten müssen, welche Sendungen ihre Kinder konsumieren und welche sie sich auf gar keinen Fall anschauen sollten. Mit Verboten richtet man da allerdings wenig aus: Sie können auf verschiedene Weise leicht umgangen werden; spätestens, wenn das Kind Freunde besucht, fruchten sie nichts mehr. Gefragt ist Überzeugungsarbeit. Letztere setzt die Bereitschaft voraus, etwas Zeit zu investieren, um mit seinen Kindern zu reden und in ihnen in einem möglichst ungezwungenen Dialog - ohne zu dirigieren, diagnostizieren oder dogmatisieren - die Erkenntnis zu wecken, dass Sendungen wie Die Geissens sie nicht wirklich weiter bringen, sondern einfach nur Scheiße sind.

Ein mindestens ebenso heikles Thema ist die elterliche Haltung zu Computerspielen und speziell den so genannten "Ego-Shootern". Während bei der schulischen Förderung wohl zumindest in den Grundzielen meist noch weitgehend Einigkeit herrscht, sind die Einstellungen der Elternteile hier oft recht gegensätzlich. Das Gleiche gilt für die Nutzung des Internets durch Kinder.

Begutachtung durch einen vom Gericht bestellten "Sachverständigen", die sich auf die von den Elternteilen praktizierte Erziehung in Bezug auf die Reizthemen "TV", "Games" und Internet stützt, transportiert zwangsläufig nur die sehr subjektiven Vorstellungen des jeweiligen Gutachters und damit nicht selten eine rigoros einseitige Haltung zu Fragen, die in der Gesellschaft ausgesprochen kontrovers diskutiert werden.

 

2. Bindungstoleranz

Mit Bindungstoleranz wird die Fähigkeit und Bereitschaft eines Elternteils bezeichnet, die Bindungen des Kindes zum anderen Elternteil, bzw. zu anderen wichtigen Personen, zu respektieren und zu fördern bzw. ihre Aufrechterhaltung wenigstens zu tolerieren.

Bedeutung im familienrechtlichen Kontext

Fehlende Bindungstoleranz ist ein Zeichen für eine eingeschränkte Erziehungsfähigkeit und kann in schweren Fällen eine Gefährdung des Kindeswohls nach § 1666 BGB darstellen.[6]

In Fachkreisen herrscht inzwischen einhellig die Auffassung, dass Kinder für eine gesunde Entwicklung einer guten Beziehung zu beiden Elternteilen bedürfen. Von daher ist es wichtig, dass beide Elternteile dazu bereit sind, die Beziehung des jeweils anderen Elternteils zu den gemeinsamen Kindern zu respektieren und zu fördern. Versucht dagegen ein Elternteil, die Kinder dem anderen Elternteil - beispielsweise durch Verächtlichmachen, totale Vereinnahmung etc. - zu entfremden, werden jene dadurch stark belastet. Entsprechende Verhaltensweisen gelten insofern als ein Beleg für eine eingeschränkte Erziehungsfähigkeit. In vielen Fällen ist mangelnde Bindungstoleranz durch Indizien klar nachweisbar, so dass von einer Befragung der Kinder durch das Gericht abgesehen werden kann.

Da ein paritätischer Umgang von Müttern mehrheitlich abgelehnt wird und im reformunwilligen Deutschland noch allzu viele Familiengerichte diese Haltung unterstützen, halten sich Kinder nach einer Trennung in den meisten Fällen überwiegend bei der Mutter auf. Bereits die Übertragung des Lebensmittelpunktes auf sie bewirkt oft automatisch schon eine gewisse Entfremdung vom Vater und Mütter erliegen nicht selten der Versuchung, den Willen des Kindes dahingehend zu manipulieren, dass es auch Besuchskontakte ablehnt.

Aber auch in den vergleichsweise seltenen Fällen, in denen ein Vater nach Entscheid des Familiengerichts den Status des "betreuenden Elternteils" innehat (siehe den Beitrag "Alleinerziehende Väter"), können sich Mütter zuweilen nicht mit der Rolle des "Besuchselternteils" abfinden und versuchen, das Kind durch permanente Herabsetzungen des Vaters zu einem Wechsel in den mütterlichen Haushalt zu bewegen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Natürlich gibt es auch Väter, denen die nötige Bindungstoleranz abgeht. Seitens der in Umgangssachen tätigen Professionellen ist - so beispielsweise von der Psychologin und Gerichtsgutachterin Ursula Kodjoe oder der im Bereich Jugendhilfe tätigen Sozialarbeiterin Christine Knappert[7] - wird jedoch konstatiert, entsprechende Defizite seien bei Männern weitaus seltener und Väter müssten meist nicht erst davon überzeugt werden, dass die Fortdauer intensiver Kontakte zur Mutter für ihre Kinder wichtig sind. Wissenschaftlich evaluiert wurde diese Tendenz im Rahmen einer Dissertation an der Universität Bielefeld.[8] Ihre Verfasserin befand:

Zitat:

«Während es für die Väter, die das Kind im Alltag versorgen, selbstverständlicher ist, dass gemeinsame Sorgerecht zu leben und den Kontakt zur Mutter zu unterstützen, gilt dies nicht gleichermaßen für Mütter. Anträge auf Übertragung des alleinigen Sorgerechts - und damit auch auf Entzug des Sorgerechts für den anderen Elternteil - oder auf einen Ausschluss des Umgangsrechts werden häufiger von Müttern als von Vätern gestellt. [...] Väter sind nach der Trennung genuin bindungstoleranter als Mütter»

Hierzu weitere Quellen:

Nach Untersuchungen des Väterforschers Dr. Michael Matzner haben Kinder von allein erziehenden Vätern im Durchschnitt intensiveren und häufigeren Kontakt mit dem anderen Elternteil als im umgekehrten Fall, wenn die Kinder bei der Mutter leben. So würden nur etwa 11 % der Kinder alleinerziehender Väter ihre Mutter selten und 19,5 % nie sehen, während nach einer anderen Studie 37 % der Kinder aus Mutterfamilien keinen Kontakt zu ihren Vätern hätten.[9]

Laut der Väterstudie von Prof. Amendt boykottieren Mütter in der Nachtrennungsphase bei verheirateten Paaren in 40 %, bei solchen ohne Trauschein sogar in 55 % aller Fälle den Umgang mit dem Vater. An anderer Stelle führt Amendt dazu aus, ein Jahr nach der Trennung hätten ca. 50 % der Väter keinen Kontakt mehr zu ihren Kindern bzw. würden diese überhaupt nicht mehr (30 %) oder nur noch selten (18 %) sehen.[10] Nach einer Langzeituntersuchung von Anneke Napp-Peters ("Familien nach der Scheidung") werden ca. 80 % der Väter von ihren Ex-Partnerinnen ausgegrenzt. Dabei könne die Ausgrenzung von Umgangsbehinderungen bis hin zu PAS, der radikalsten Form, reichen.[11]

In die gleiche Richtung weisen Angaben von Robert Bögle, einem Mitarbeiter der "Pädagogisch-psychologischen Informations- und Beratungsstelle für Schüler/innen, Eltern und Lehrer/innen" der Erzdiözese München. Nach seinen Erhebungen haben drei Jahre nach der Scheidung 70 % der Väter überhaupt keinen Kontakt mehr oder nur noch seltenen Umgang mit ihren Kindern.[12]

Konkrete Erscheinungsformen

Da von Familiengerichten überwiegend Mütter zum betreuenden Elternteil gekürt werden und Vätern allenfalls ein meist bescheidenes Umgangsrecht zugestanden wird, werden in der folgenden Auflistung die Begriffe "Mutter" und "Vater" verwendet. Mögliche Belege für eine mangelnde Bindungstoleranz sind unter anderem:

  • wiederholte Umgangsverweigerungen unter Bruch der Zwischenvereinbarung oder gerichtlich verfügten Umgangsregelung, durch die überlange Phasen der Trennung vom Vater entstehen.
  • Verweigern flexibler Absprachen bei den Ferienregelungen mit vorgeschobenen, erlogenen Gründen, um gemeinsame Urlaubsreisen des Vaters mit den Kindern zu vereiteln, obwohl jene liebend gerne verreisen würden.
  • Abwerten bzw. Herabwürdigen des Vaters durch gezielte, verächtlich machende Bemerkungen, welche die Mutter entweder unmittelbar gegenüber den Kindern oder in deren Beisein gegenüber Dritten fallen lässt.
  • Missachtung des mehrfach und klar geäußerten Willens der Kinder, wonach diese ein paritätisches Wechselmodell leben wollen.
  • Missachtung des Wunsches nach Übertragung des Lebensmittelpunktes auf den Vater.
  • Tendenzen zur möglichst vollständigen Entsorgung des Vaters durch unverhohlene Versuche, ihn planmäßig psychisch zu destabilisieren.
  • planmäßige Ausgrenzung des Vaters von der schulischen Förderung durch Verschweigen der Termine von Klassenarbeiten oder Elterngesprächen.
  • die Mutter trifft allein alle Entscheidungen in schulischen Belangen (z. B. zur zweiten Fremdsprache)
  • die Mutter hat für eine umfassende persönliche Betreuung innerhalb der ihr gerichtlich zugestandenen Umgangszeiten zu wenig Zeit, lässt sie die Kinder aber lieber fremdbetreuen, als in eine Betreuung durch den Vater einzuwilligen, obgleich dieser beispielsweise die Hilfe bei den Hausaufgaben nachweislich besser wahrnehmen könnte.
  • übergewichtige Inanspruchnahme hoher Fest- und Feiertage; hohe Feiertage wie Heiligabend erachtet die Mutter als zu wichtig, als dass die Kinder sie mit dem Vater verbringen dürften.
  • unzutreffende Behauptung der Mutter, die Kinder wollten ihre Geburtstage ausschließlich bei ihr feiern
  • enges Einbinden der Kinder in diverse Freizeitaktivitäten, eigenmächtiges Anmelden in allen möglichen Vereinen oder zum Musikunterricht in Verbindung mit der unzutreffenden Behauptung der Mutter, nur sie könne die Fortführung dieser Aktivitäten gewährleisten.
  • keine bzw. nur sporadische Informationen über Krankheiten der Kinder oder Arztbesuche; Auswahl der Ärzte und Behandlungsmethoden ohne jedwede Rücksprache.
  • ständige Anrufe, wenn die Kinder beim Vater sind.
  • bei Urlaubsreisen mit dem Vater erhalten die Kinder täglich SMS oder Anrufe der Mutter; sofern letztere sie nicht unmittelbar erreicht, werden die Kinder zu Antworten bzw. telefonischen Rückrufen gedrängt.
  • Versuche, mit den Kindern auch in den Phasen des Umgangs mit dem Vater unter irgendwelchen Vorwänden zusammenzutreffen, z. B. weil etwas vergessen worden sei.

Zum letztgenannten Punkt funktioniert eine längerfristig angelegte Variante folgendermaßen: die Mutter teilt dem Vater mit, das Kind wolle an seinen nächsten vier Umgangswochenenden an bestimmten Sportveranstaltungen teilnehmen. Weil angeblich keine anderen Mütter bereit seien, Brötchen zu schmieren, wäre ihre Anwesenheit dabei jedes Mal zwingend erforderlich. Nicht selten organisieren Mütter solche Aktivitäten über den Kopf des betroffenen Kindes hinweg oder sogar gegen dessen Willen und bei Nachfragen des Vaters stellt sich heraus, dass die Mutter natürlich keineswegs dabei sein muss (manche Trainer reagieren auf die Aussicht ihrer Abwesenheit sogar sichtlich erleichtert).

Ein solches Verhalten schädigt das Kindeswohl und gefährdet die Entwicklung der Kinder zu gesunden, eigenständigen und selbstbewussten Persönlichkeiten. Nimmt man im Fragebogen der KiMiss-Studie, die von der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen erstellt wurde, entsprechende Eintragungen vor, werden solche Verhaltensweisen eines Elternteils eindeutig als Kindesmisshandlung bewertet.[13] Von daher wäre es unbedingt wichtig, dass die verantwortlichen Psychologen und Sozialpädagogen in den Beratungsstellen die Eltern darüber aufklären, wie sich eine mangelnde Bindungstoleranz - z. B. in Form permanenter Abwertungen des Ex-Partners vor den Ohren der Kinder - auf jene auswirken.

Hauptartikel: Trennungsberatung

Ebenso wie die KIMiss-Studie enthält auch ein Beitrag von Wera Fischer zum PAS-Syndrom[14] weitere, teilweise deutlich extremere Beispiele für mögliche Ausdrucksformen mangelnder Bindungstoleranz.

Verantwortungslose Komplizenschaft von Anwälten

Wenn sich an den in der vorstehenden Auflistung an erster und zweiter Stelle genannten Manövern dann sogar die RechtsanwältInnnen von Müttern beteiligen, leisten jene skrupellos Beihilfe zu fortgesetzten Kindeswohlgefährdungen. Insbesondere sogenannte "Fachanwälte für Familienrecht" dürften Mütter bei verantwortungslosen Handlungsweisen eigentlich nicht unterstützen. Zumindest spezifisch geschulten Anwälten müsste nämlich klar sein, dass Mütter, die auf dem Rücken ihrer Kinder Krieg gegen den Vater führen, damit letztlich auch ihre Kinder bekriegen und so deren Seelen zerstören.

Die Praxis zeigt indessen, dass es auch Fachanwälten hier zuweilen an der nötigen Fähigkeit zur Abgrenzung fehlt. Offenbar messen die Anwaltskammern der Vermittlung kinderpsychologischer Kenntnisse bei den einschlägigen Fortbildungsmaßnahmen noch zu wenig Bedeutung bei.

Ungleiche Bewertung durch deutsche Familiengerichte

Da die Rechtsprechung deutscher Familiengerichte in vielen Oberlandesgerichtsbezirken - zum Trend je nach Wohnort siehe die Seite "Rechtsprechung" im Portal "Prowechselmodell.de" - ausgesprochen parteiisch zugunsten von Müttern erfolgt, wird bei der Bewertung elterlichen Verhaltens oft zweierlei Maß angelegt. Während Vätern von voreingenommenen Richtern aus geringstem Anlass mangelnde Bindungstoleranz unterstellt wird, schenken Familienrichter jeder noch so blödsinnigen Behauptung von Müttern bereitwillig Glauben. So kann man im Beschluss des OLG Brandenburg vom 09.03.2009 (Az. 10 UF 204/08) lesen, "eine verminderte Bindungstoleranz der Mutter im Vergleich zum Vater [ist] nicht zu erkennen. Dass die Mutter kurzzeitig den Umgang des Vaters mit S. auf ein Minimum reduzieren wollte, hat sie nachvollziehbar mit der Angst, der Vater könne S. ganz bei sich behalten wollen, begründet." Konkrete Anhaltspunkte, die auf eine entsprechende Absicht des Vaters hätten hindeuten können, lagen jedoch nicht vor.

Umgekehrt neigen mütterfreundliche Richter dazu, selbst massive Anzeichen mangelnder Bindungstoleranz komplett zu ignorieren. Entsprechenden Beweisanträgen, und seien sie noch so stichhaltig und dezidiert vorgetragen, wird schlicht und ergreifend rechtliches Gehör verweigert. Die kritiklose Toleranz hat ihre Wurzeln möglicherweise in dem Glauben, entsprechende Verhaltensweisen seien bei Müttern biologisch implantiert und somit quasi legitim. Die Konsequenz des wohlwollenden Wegschauens ist, dass sich Mütter bestätigt fühlen und mit ihren Einflüsterungen und Handlungen, welche die Kinder seelisch schwer belasten, umso hemmungsloser fortfahren. 

 

3. Frustrationstoleranz und Konfliktfähigkeit 

Wenn ein Elternteil die Trennung in einer Art Kurzschlusshandlung vollzieht (mehr dazu im Abschnitt "Manipulation der Trennungsgeschichte" des Beitrags "Familiengutachten"), belegt dies eine mangelnde Fähigkeit, Probleme in der Beziehung mit dem Partner zu diskutieren und konstruktiv zu lösen. Stattdessen wird Ärger solange aufgestaut, bis er ein derartiges Ausmaß erreicht hat, dass die Trennung als einzig möglicher Ausweg erscheint. Derartige Defizite zeugen von geringer Frustrationstoleranz und Konfliktfähigkeit.

Weil solche Dispositionen natürlich nicht auf Knopfdruck ein- und ausgeschaltet werden können, wird sich der betreffende Elternteil auch gegenüber den Kindern beim Umgang mit Konflikten ein entsprechend unreifes Verhalten an den Tag legen. Insofern werden die besagten Fähigkeiten zu Recht als wichtige Kriterien zur Beurteilung der Erziehungsfähigkeit betrachtet.[15]

 

4. Respekt für die Willensäußerungen von Kindern

In gut informierten Fachkreisen ist es mittlerweile unstrittig, dass die Beachtung des Kindeswillens eine elementare Voraussetzung ist, damit die Sozialisation von Kindern und ihre Entwicklung zu einer gemeinschaftsfähigen und autonomen Persönlichkeit, wie es dem Menschenbild des Grundgesetzes entspricht, gelingt. Dies stellt - neben diversen Urteilen des Bundesverfassungsgerichts - die zentrale, vom Bundesfamilienministerium beauftragte Studie zur Erziehung fest.[16]

Im Umkehrschluss kann es sich nicht mit diesen wesentlichen Erziehungszielen vertragen, wenn ein Elternteil wesentliche Entscheidungen, die das Leben der Kinder berühren - z. B. Wahl der 2. Fremdsprache oder die Anmeldung zu einem Nachhilfeunterricht - vornimmt, ohne vorher mit ihnen über diese Dinge zu sprechen. Auch jüngere Kindern sollten unter Berücksichtigung ihres Entwicklungsstandes in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. So sollte es für Mütter und Väter, die den Autonomiegedanken verinnerlicht haben und die Persönlichkeitsrechte ihrer Kinder respektieren, selbstverständlich sein, die Frage der Einschulung mit dem Kind gemeinsam zu erörtern und nicht über seinen Kopf hinweg zu befinden, ob es noch ein Jahr länger im Kindergarten bleiben muss bzw. darf.

Ausgesprochen bedenklich ist es, wenn ein Elternteil beharrlich die Wünsche seiner Kinder nach mehr Umgang mit dem anderen Elternteil ignoriert, obgleich es klare Anzeichen (z. B. psychische Probleme, chronische Magenbeschwerden, stark nachlassende Schulleistungen, Einnässen, aggressives Verhalten) dafür gibt, wie sehr die Kinder unter dieser Weigerungshaltung leiden.

 

5. Rücksichtslose Instrumentalisierung und mangelnde Sensibilität

Des Weiteren deutet es auf eine stark eingeschränkte Erziehungsfähigkeit, wenn der so genannte betreuende Elternteil durch Maßnahmen, die einer Vergewaltigung des Kindeswillens gleichkommen, den Umgang der Kinder mit dem lediglich umgangsberechtigten Elternteil durch plumpe Tricksereien oder schlichte Verletzung der gerichtlichen Umgangsregelung noch über den vom Gericht zugestandenen bescheidenen Umfang hinaus einschränkt.

Noch viel mehr gilt für rücksichtslose Versuche, Kinder zu instrumentalisieren. Häufig werden Kinder von manipulierenden Elternteilen gegen ihren ausdrücklichen Willen zum Eintritt in einen Sportverein oder zu sonstigen Aktivitäten gezwungen, um die bessere Förderungskompetenz dieses Elternteils zu belegen und dann zu behaupten, die Fortsetzung der Aktivitäten seien nur möglich, wenn dieser Elternteil den Lebensmittelpunkt bekommt, weil der andere Elternteil desinteressiert oder sogar ablehnend eingestellt sei.

Ein Beispiel:

Die Mutter meldet ihre Tochter gegen deren Willen in einem Fußballverein an und zwingt sie mehrmals im Winter zur Teilnahme am Training, obwohl das Kind am gleichen Tag unmittelbar im Anschluß auch noch im Tennis spielt (was es allerdings gerne tut). Gleichzeitig hämmert sie dem Kind ein, von der Mitgliedschaft im Fußballclub bloß nichts dem Vater zu verraten. Bei der nächsten Gerichtsverhandlung wird diese Mitgliedschaft dann überraschend als Trumpf aus dem Ärmel gezogen, um Pluspunkte zu sammeln. Im konkreten Fall kam verschlimmernd hinzu, dass der Vater bereits Monate vorher seine Tochter gefragt hatte, ob sie nicht in einen Fußballverein eintreten wolle. Bei ihm hatte sie keine Angst, nein zu sagen, gegenüber der aggressiv manipulierenden Mutter schon. Völlig klar, dass das Kind durch diese skrupellose Handlungsweise in schlimme seelische Bedrängnis gebracht wurde.

 

Extrem belastend ist es für Kinder auch, wenn ein Elternteil schon kurze Zeit nach der Trennung sexuell mit einem neuen Partner verkehrt, jedoch nicht den Mut hat, seine Kinder über die neue Partnerschaft zu informieren, dabei aber so leichtfertig ist, dass die Kinder Zeuge sexueller Aktivitäten werden.

So richtig schlimm wird es, wenn der betreffende Elternteil in einer solchen Situation trotz nachdrücklichem Anraten neutraler Dritter nicht in eine therapeutische Hilfe für das Kind einwilligt, weil er befürchtet, hier könnten Dinge herauskommen, die im Umgangsverfahren möglicherweise gegen ihn sprechen würden.

Überhaupt nicht mehr zu begreifen ist, wenn derselbe Elternteil seine Kinder stattdessen 1 ½ Jahre später mittels Zwang und Drohungen zu einer therapeutischen Behandlung nötigen will, weil die Kinder durch die Missachtung ihrer Wünsche nach mehr Umgang mit dem anderen Elternteil schwer traumatisiert sind, jedoch nicht von ihren Willensbekundungen ablassen.

 

6. Vermittlung von Tugenden und Aktualfähigkeiten

Eigentlich sollte es bei der Beurteilung der Erziehungsfähigkeit eine Rolle spielen, inwieweit die Elternteile in der Lage sind, die charakterliche Entwicklung ihrer Kindern zu fördern und ihnen die Bedeutung bestimmter Eigenschaften klar zu machen. Psychologen sprechen hier auch von einer Förderung der Arbeits- und Liebesfähigkeit.[15] Etwas weniger psychologisch könnte man sagen, es geht bei Erziehung zu einem guten Teil schlicht darum, Kindern ein angemessenes Sozialverhalten zu vermitteln, damit sie sich im Privat- und später auch im Berufsleben möglichst leicht tun.

Nicht nur in Bezug auf letzteres sollte Begriffen wie Zuverlässigkeit, Ordnung, Pünktlichkeit oder auch guten Umgangsformen und Höflichkeit Beachtung zuteil werden. Hat ein Elternteil hier erkennbare Schwächen, wäre dies zu berücksichtigen.

Ein weiterer Begriff ist ebenfalls mit Blick darauf zu sehen, Kinder auf ein gutes Miteinander in Schule und Beruf vorzubereiten, spielt aber außerdem in den Aufbau und die Pflege enger zwischenmenschlicher Beziehungen hinein. Nicht umsonst nennt bei einschlägigen Umfragen immer noch die überwiegende Mehrheit der Befragten Ehrlichkeit als die für sie wichtigste Tugend schlechthin. Falls Kinder im Zuge einer Trennung und ggfs. in daran anschließenden, lang andauernden Auseinandersetzungen miterleben müssen, dass ein Elternteil in Bezug auf das zurückliegende Familienleben extreme, teilweise hanebüchene Lügen verbreitet und den früheren Partner hemmungslos verleumdet, muss bezweifelt werden, ob der betreffende Elternteil von den Kindern noch als Vermittler dieser Tugend akzeptiert wird.

Dabei wird gleich noch ein weiteres Erziehungsziel tangiert, das im Zusammenhang mit der oben erwähnten "Konfliktfähigkeit" zu sehen ist, nämlich die Fähigkeit, Auseinandersetzungen fair auszutragen und sich darum zu bemühen, die Würde des Kontrahenten zu achten und sich selbst nicht würdelos zu verhalten.

Unumstößliche Indizien zur Beurteilung der betreffenden Gesichtspunkte liefert häufig die anwaltliche Korrespondenz im Verfahren.

Im Übrigen sollten exzessive Falschbezichtigungen in Umgangsverfahren auch Fragen bezüglich der psychischen Verfassung des betreffenden Elternteils aufwerfen.

 

Aufklärung ist wichtig

Werden in gerichtlichen Verfahren wiederholt falsche Bezichtigungen vorgebracht, vergiftet dies nachhaltig die Familienstrukturen und macht eine Befriedung auf der Elternebene, beispielsweise durch eine Mediation, unmöglich. Außerdem schädigen Elternteile durch entsprechendes Verhalten das Kindeswohl, da den Kindern die zunehmenden bzw. anhaltenden Spannungen zwischen den Eltern nicht verborgen bleiben. Noch viel mehr gilt das für permanentes Verächtlichmachen des Ex-Partners vor den Kinder. Von daher ist es unbedingt wichtig, dass Eltern seitens der Psychologen und Sozialpädagogen in den Beratungsstellen möglichst frühzeitig und nachdrücklich darüber informiert werden, wie sich besagte Verhaltensweisen wie auch insgesamt eine unzureichende Bindungstoleranz auf die Kinder auswirken.

Hauptartikel: Beratungsstellen

 

Ein Tabuthema

Was die Vermittlung von Liebensfähigkeit betrifft, stellt sich die Frage, wie liebes- bzw. erziehungsfähig derjeniger ist, der seinen Kindern die schlimme emotionale Katastrophe einer Trennung zumutet. Der Psychologe und Gutachter Prof. Uwe Jopt schrieb in einem Artikel ("Gutachter" ernannt - Gefahr gebannt?) unter der Überschrift "Trennungsbedingte Kindeswohlgefährdung", dass

Zitat:

«... die Trennung ihrer Eltern für nahezu alle Kinder eine der schlimmsten seelischen Erschütterungen darstellt, die es überhaupt gibt. Entsprechend ließ sich erst kürzlich in einem Taschenkalender zum "Internationalen Jahr der Familie", den das Bundesministerium für Familie und Senioren 1994 herausbrachte, nachlesen, dass dieses Ereignis für Kinder aller Altersstufen nach eigenen Angaben die zweitgrößte Stresssituation ist - gleich hinter der Vorstellung, ein Elternteil würde sterben -, die sie sich überhaupt vorstellen können.

Elterntrennung, dieser emotionale Super-GAU für nahezu alle Kinder, hat zu allererst mit Gefühlen zu tun. Gefühlen der Angst, Irritation und völliger Hilflosigkeit, weil sie im wahrsten Wortsinne nicht verstehen können, was da um sie herum und mit ihnen geschieht. Und weil für sie "Eltern" entschieden mehr ist, als die Summe aus Mutter plus Vater, weil sie "ihre Familie" als einen einzigartigen und in sich abgeschlossenen psychosozialen Kosmos verinnerlicht haben, ist im Normalfall allein das drohende Zerbrechen dieser emotional-intimen Einheit die wahre Kindeswohlgefährdung.»[17]

Ähnlich formuliert das auch die Psychologin, Familientherapeutin und Gutachterin Ursula Kodjoe, wobei sie sinngemäß hinzufügt, Trennungen bzw. Scheidungen würden heute oftmals leichtfertig als normale Ereignisse dargestellt. Letzteres seien sie aber lediglich im statistischen Sinne.

Seit Jahrzehnten beschwören Rechtsanwälte und Mitarbeiterinnen von Frauenhäusern immer wieder das Bild von Müttern als gequälten Kreaturen, die nur aus Liebe zu ihren Kindern jahrelang in einer Hölle aus Gewalt und Demütigung ausharren. In diesem gesellschaftlichen Klima, das die ehemalige Frauenbeauftragte der Stadt Goslar, Monika Ebeling in ihrem Vortrag "Wehrt Euch" sehr anschaulich beschreibt[18], wird trennungswilligen Frauen von Familienrichtern und Gutachtern bereitwillig der Opferstatus zuerkannt, obgleich Trennungen nicht selten auch durch Hysterie oder dem Wunsch nach Selbstverwirklichung bedingt sind.

Ersteres entzieht sich der Zurechnungsfähigkeit, letzterer ist für sich betrachtet keineswegs verwerflich. Es sollte aber auf Bedenken stoßen, wenn die Leichtfertigkeit, mit der viele Frauen ihren Kindern großes Leid zufügen, bei der Betrachtung der Erziehungsfähigkeit gänzlich ausgespart wird.

Der Glaube, Mütter würden nur zum Wohle ihrer Kinder handeln, ist ein Mythos, der die Rechtsprechung in Umgangsverfahren lange beherrscht hat. Deutlich wird dies beispielsweise in einem Satz aus dem Beschluss des Bundes­verfassungs­gerichts 1 BvR 420/09, wo es um die Frage der gemeinsamen Sorge von nicht miteinander verheirateten Eltern geht:

Zitat:

«Der Gesetzgeber habe davon ausgehen dürfen, dass eine Mutter, gerade wenn sie mit dem Vater und dem Kind zusammenlebe, sich nur ausnahmsweise und nur dann dem Wunsch des Vaters nach einer gemeinsamen Sorge verweigere, wenn sie dafür schwerwiegende Gründe habe, die von der Wahrung des Kindeswohls getragen würden, und dass sie die Möglichkeit der Verweigerung einer Sorgeerklärung nicht etwa als Machtposition gegenüber dem Vater missbrauche.»[19]

Im betreffenden Urteil wird dann aber auf eine Studie des Bundesjustizministeriums verwiesen, welche belegt, dass die obige Annahme unzutreffend ist und Mütter vielmehr häufig aus kindeswohlfernen Motiven die gemeinsame Sorge ablehnen. Die meistgenannten Gründe waren, dass die Mütter über die Belange der Kinder alleine entscheiden wollten und das Bestreben hatten, sich vom Ex-Partner abzugrenzen (sprich Begegnungen mit dem Kindsvater möglichst ganz zu vermeiden bzw. ihn komplett aus dem Leben der Kinder verschwinden zu lassen).

Genauso irrig ist die Annahme, Mütter hätten bei einer Trennung vorrangig oder allein das Kindeswohl im Auge. Tatsächlich dürfte Müttern das Kindeswohl in vielen Fällen von Familienzerstörung völlig egal sein. Denn in der erwähnten Studie wurde ferner ermittelt, Frauen würden die Partnerschaft nur selten wegen Gewalt oder Missbrauch bzw. zum Schutz der Kinder aufgeben, sondern aufgrund von mangelnder Anerkennung und aus dem Gefühl heraus, nicht genügend wertgeschätzt oder geliebt zu werden sowie wegen anderer Unzufriedenheiten.

Es mag ja sein, dass manche Frauen in einer Art von Wahn - in dem sie den Ex-Partner zur Rechtfertigung ihres Handelns zum Unhold stilisieren - selbst daran glauben, sie würden ihren Kindern einen Gefallen tun. So sagt die oben erwähnte Frau Kodjoe, von Müttern wäre immer wieder zu hören, die Trennung sei ja auch für die Kinder am besten gewesen. Die betroffenen Kinder sehen das in den allermeisten Fällen jedoch anders. Dazu bemerkt Frau Kodjoe, in ihrer langjährigen Praxis habe sie nur fünf Mal erlebt, dass die Trennung der Eltern von den Kindern begrüßt worden sei, wobei die Kinder in allen fünf Fällen Zeuge andauernder extremer Gewalt zwischen ihren Eltern gewesen wären. Alle anderen Kinder hätten die Trennung der Eltern als die größte Katastrophe ihres Lebens empfunden und würden massiv unter den Folgen leiden.[20]

Im Übrigen werden laut Frau Kodjoe [bei Ehen mit Kindern] inzwischen 80 % der Scheidungsanträge von Frauen eingereicht. In Verbindung mit den Erkenntnissen des Bundesjustizministeriums deutet diese Zahl darauf hin, dass Mütter aufgrund ihrer jahrzehntelangen Privilegierung beim Sorge- bzw. Umgangsrecht, konkret der ihnen erwachsenden Machtfülle und nicht zuletzt wegen finanzieller Vorteile immer bedenkenloser den Entschluss zur Scheidung treffen. Anders gesagt ist die vielerorts praktizierte bedingungslose Unterstützung von Müttern durch Richterschaft und Jugendämter dafür verantwortlich, dass die Zahl der Trennungen und Scheidungen immer schwindelerregendere Höhen erreicht.

Von daher wäre es an der Zeit, dass Richter und Sachverständige das sattsam bekannte Klischeedenken hinter sich ließen und sich etwas stärker die Sichtweise der wahren Opfer zu eigen machten. Stattdessen segnen sie durch die bereitwillige Übertragung des Lebensmittelpunktes oder gar des Aufenthaltsbestimmungsrechts bzw. Sorgerechts Kindesmisshandlungen ab, die vielfach einem egoistischem Individualismus entspringen. Dies dürfte nicht nur von betroffenen Vätern als pervers empfunden werden, sondern man kann vermuten, dass viele Kinder für die Spruchpraxis deutscher Gerichte, die sie ausgerechnet dem Elternteil ausliefert, das ihnen schwersten Schaden zugefügt hat (und oft nach der Trennung weiterhin zufügt), ebenfalls kein Verständnis aufbringen können.

 

Überholte Klischees

Wie wenig es der Realität entspricht, wenn Frauen ausschließlich als Opfer stilisiert werden, zeigen die im WikiMANNia-Artikel Kindesmissbrauch durch Frauen zusammengetragenen Fakten. Außerdem sei auf den WikiMANNia-Beitrag Häusliche Gewalt verwiesen. Weitere Links zum Thema enthält auch ein Beitrag im TrennungsFAQ.[21] Schließlich sei auch die Arbeit der Kontaktstelle Zornröschen in Mönchengladbach erwähnt.[22]

Wie unverdrossen diese Propaganda teilweise dennoch weiter betrieben wird, belegt beispielsweise die Wanderausstellung "Rosenstraße 76".

In solcherart einseitigen Darstellungen wird im Übrigen eine Tatsache geleugnet, die in der deutschen Öffentlichkeit nur zögernd allmählich wahrgenommen wird, nämlich die, dass Männer in Beziehungen keineswegs nur potentielle Täter sind, sondern nicht selten auch zu Opfern werden (mehr dazu im WikiMANNia-Artikel Gewalt gegen Männer). Lesenswert ist auch der Text "Wenn Frauen aus der Rolle fallen - Zur Gewalt von Frauen gegenüber Männern".[23]

Nicht zuletzt das geschilderte, in den Köpfen vieler Richter, Gutachter und Jugendamtsmitarbeiter fest verankerte Schwarz-weiß-Denken hat, zumindest unterbewusst, einen großen Einfluss, wenn es darum geht, die Erziehungsfähigkeit von Müttern und Vätern zu beurteilen.

Einzelnachweise

1.    Quelle Familienrechtspsychologie (ISBN 3-8252-8232-5), S. 98

2.    Quelle Familienrechtspsychologie (ISBN 3-8252-8232-5), S. 101-103

3.       3.0 3.1 Kinderklau-Blog: Unfähige Gutachter glauben, die "Erziehungsfähigkeit" messen zu können, 26. Februar 2009

4.    Peter Thiel: Erziehungsfähigkeit, System Familie

5.    Siehe dazu "Vertrauensgrenzen des psychologischen Gutachtens im Familienrechtsverfahren. Entwurf eines Fehlererkennungssystems." - Wolfgang Klenner, Zeitschrift für das gesamte Familienrecht - FamRZ, 1989, Heft 8 (S. 804-809) HTML

6.    Väternotruf: Bindungstoleranz

7.    Christine Knappert: Wenn ein Elternteil nicht will, kann man nichts machen!?

8.    Psychologische Begutachtung im Familienrecht: "Effekte entscheidungsorientierter vs. lösungs­orientierter Begutachtung auf die Trennungsfamilie - Erfahrungen und Ansichten aus Elternsicht" (Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades "Dr.phil." der Fakultät Psychologie und Sportwissenschaft der Universität Bielefeld, Julia Zütphen, 2010

9.    Väterzeit.de - Kontakt zur Mutter

10.    Wer sozial schwach ist, sieht sein Kind nicht

11.    Anneke Napp-Peters: Familien nach der Scheidung

12.    Scheidungsfolgen von Kindern und Jugendlichen

13.    KiMiss-Studie der medizinischen Fakultät der Uni Tübingen

14.    The Parental Alienation Syndrome (PAS) und die Interessenvertretung des Kindes - ein kooperatives Interventionsmodell für Jugendhilfe und Gericht

15.   15.0 15.1 Psychologische Kriterien zur Sorgerechtsregelung - Klaus Ritter

16.    Familiale Erziehungskompetenzen - Beziehungsklima und Erziehungsleistungen in der Familie als Problem und Aufgabe, Juventa-Verlag 2005, ISBN 3-7799-0321-0

17.    Uwe Jopt: "Gutachter ernannt - Gefahr gebannt? Psychologische Sachverständige entscheiden für den Familienrichter, aber ...", Zeitschrift "ex", Juni 1995, S. 20-26

18."Wehrt Euch" - Monika Ebeling, 3. November 2012

19.Beschluss 1 BvR 420/09 vom 21.7.2010

20.Kinder sind die besseren Menschen - Wie schaffen es so viele Väter und Mütter, sie an die Wand zu fahren? (40:57 Min.), Vortrag auf dem 3. Internationalen Antifeminismus-Treffen am 3. November 2012

21.TrennungsFAQ-Forum: Mißbrauch durch Frauen am 17. September 2008

22.Sexueller Missbrauch - nicht immer sind es Männer

23.Wenn Frauen "aus der Rolle fallen" - Zur Gewalt von Frauen gegenüber Männern, Oktober 2011