In diesem Portal werden Artikel zum Thema "Umgangsrecht" veröffentlicht, die ich in der Zeit von Dezember 2011 bis Juni 2015 für das Online-Lexikon "WikiMANNia" verfasst habe. Sie ergänzen meine Beiträge zum paritätischen Wechselmodell, die auf der Webseite "prowechselmodell.de" gesammelt sind. Nach meinem Ausscheiden aus der WikiMANNia-Redaktion erscheinen die Texte nun etwas modifiziert und frei von unerwünschten Ergänzungen. So möchte ich insbesondere darauf verzichten, antifeministische Standpunkte widerzugeben, weil ideologische Betrachtungen den Blick auf das Wesentliche vernebeln.

 

Als Vater dreier Kinder, der zwangsweise die deutsche Familiengerichtsbarkeit kennengelernt hat, habe ich primär EIN Thema, und zwar die objektiv gegebene Benachteiligung von Vätern durch das deutsche Umgangsrecht und die mit ihr einher gehende Traumatisierung der betroffenen Kinder (und vielfach auch der Väter).

 

Inzwischen erleben alljährlich etwa eine Viertelmillion Kinder die Scheidung bzw. Trennung ihrer Eltern; die Zahl der Gerichtsverfahren, die ums Sorge- bzw. Umgangsrecht kreisen, ist nach wie vor ansteigend: Laut dem Statistischen Bundesamt hat sie mittlerweile die Marke von 200.000 per anno überschritten (2014 gab es 56.400 Umgangs- und 146.862 Sorgerechtsverfahren[1]). Trotz dieser großen Zahl von Betroffenen, die bei den verantwortlichen Politikern und Juristen längst zu einem Umdenken hätte führen müssen, gilt in Deutschland nach wie vor die traurige Regel, dass Väter ihre Kinder nach dem Scheitern der Paarbeziehung nur noch selten oder überhaupt nicht mehr sehen dürfen. Jahr für Jahr müssen Zigtausende von Kindern leidvoll erfahren, wie ihre Väter - entweder plötzlich oder „auf Raten“ - aus ihrem Leben verschwinden, weil besitzergreifende Mütter es so wollen und unfähige Richter nebst ihrer Helfershelfer diesen egoistischen Wünschen in gefühlloser, oft brutaler Weise entsprechen. 

 

Zwar mögen die Ursachen der konkret feststellbaren Diskriminierung von Männern durch deutsche Familiengerichte und Jugendämter partiell im Feminismus der letzten Jahrzehnte liegen. Der Hauptgrund für die Ungleichbehandlung der Geschlechter in dieser vitalen Frage ist jedoch die völlig unwissenschaftliche Idealisierung der Mutter als für das Kind vorrangig wichtige Bindungsperson. Dieser Mythos reicht sehr viel weiter zurück als der Feminismus und hier muss angesetzt werden, um eine Verbesserung der für Kinder und Väter oft schier unerträglichen Lebenssituation nach einer Trennung zu erreichen. 

Der Beitrag "Zur Bedeutung von Vätern" soll aufzeigen, warum Väter nicht nur in der Erziehung, sondern vor allem auch bei der Förderung ihrer Kinder nicht weniger wichtig sind als Mütter und welche Folgen aus der dauerhaften oder weitest gehenden Abwesenheit von Vätern resultieren. Die Beiträge „Aktive Väter“ und „Alleinerziehende Väter“ sollen den tiefgreifenden Wandel im Rollenverständnis verdeutlichen, der sich bei vielen Männern vollzogen hat und von ihnen auch real gelebt wird. Die übrigen Beiträge kreisen überwiegend um den tristen Alltag vor deutschen Familiengerichten, erklären wichtige Begriffe aus dem Familienrecht und stellen die Personen und Institutionen vor, mit denen rechtsuchende Väter in Umgangsverfahren konfrontiert werden. Auch wenn der Tenor der Texte häufig negativ und bitter anmutet, sollen sie auf keinen Fall Hoffnungslosigkeit verbreiten, sondern lediglich zu einer realistischen Einschätzung der Möglichkeiten und Risiken des eigenen Handelns verhelfen. 

Im Idealfall landen Eltern, die sich trennen, nicht vor dem Pult von Richtern, sondern schaffen es, einvernehmlich eine Umgangsregelung zu finden, die den Wünschen und Bedürfnissen ihrer Kinder gerecht wird. Allzu oft gelingt genau das jedoch nicht; aber auch dann besteht noch Hoffnung: Wenn Väter und ihre Kinder das Glück haben, auf intelligente und vorurteilsfreie Richter zu treffen, ist es trotz der Katastrophe, die eine Trennung der Eltern für Kinder eigentlich immer darstellt, zumindest möglich, durch gelungene gerichtliche Regelungen den Schaden zu begrenzen und den Kindern Mutter und Vater als Eltern zu erhalten. 

Leider geraten viele Kinder und ihre Väter allerdings an Richter bzw. Richterinnen, die im engen Korsett ihrer persönlichen Lebenserfahrung und darauf basierender Trivialtheorien verhaftet sind. Vor allem solche Väter, die sich schon vor der Trennung in größerem Maße an der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder beteiligt hatten, können sie es in aller Regel nicht akzeptieren, weitestgehend oder sogar ganz vom Umgang mit ihren Kindern abgeschnitten werden. Weil sie zunächst von der Humanität und Fairneß der für sie und ihre Kinder zuständigen Richter überzeugt sind - an das prinzipielle Funktionieren des Rechtsstaats glauben sie sowieso - versuchen sie, ihr Anliegen auf dem Rechtsweg durchzusetzen. Stoßen solche Väter auf RichterInnen, die ihre Kinder quasi reflexhaft der Mutter zusprechen wollen, wird eine fatale Dynamik in Gang gesetzt: Bedingt durch das Unvermögen der Justiz, familiale Konflikte zu lösen und Rechtsfrieden herzustellen die ihr zuarbeitenden Jugendämter und Beratungsstellen versagen hier leider meist genauso kläglich - kommt es zu nicht enden wollenden Gerichtsprozessen. 

Hier gelangen derzeit vor allem Väter ziemlich schnell zu der traurigen Erkenntnis, dass in Deutschland ausgerechnet im sensiblen Bereich des Familienrechts Licht und Schatten sehr eng beieinander liegen. Auf der einen Seite gibt es Familienrichter, die über Engagement und Sachkunde verfügen und sich tatsächlich für das Wohl und Wehe der betroffenen Kinder interessieren. Solche Richter suchen unbestechlich nach Lösungen, die sich tatsächlich an den schwächsten Gliedern der zerstörten Familien orientieren. Leider verbergen sich unter den Roben aber auch eine Menge Dumpfbacken beiderlei Geschlechts, die für die Wünsche, Nöte und Bedürfnisse von Trennungskindern keinerlei Gespür haben und allein nach dem dümmlichen Glaubenssatz handeln, dass Kinder per se zur Mutter gehören. 

Mangelnde Rechtsstaatlichkeit

Richter, die dieser Gattung zuzurechnen sind, legen oft ein ziemlich schäbiges Verhalten an den Tag, wenn Väter ihre Entscheidung nicht akzeptieren. Die Verfahrensführung gestaltet sich dann extrem unfair, Sachverhalte werden einseitig ermittelt und zu Gunsten der Mutter bzw. zu Lasten des Vaters falsch dargestellt, elementare Regeln des Verfahrensrechts und zwingende Bestimmungen aus dem FamFG werden reihenweise missachtet und als Verfahrensbeistand oder Gutachter beauftragen solche Richter vorzugsweise korrupte Subjekte, die ihnen nach dem Mund reden. Für viele Vertreter des Jugendamts, die an den Verfahren routinemäßig teilnehmen, gilt das leider ohnehin.

Nach wie vor erleben Väter hierzulande allzu oft eine Art Schauprozess: Ein abgekartetes Spiel, dass sehr weit von rechtstaatlichen Verhältnissen entfernt ist und bei dem viele Beteiligte einen ausgesprochen dreckigen Charakter offenbaren. Neben der teilweise erschreckenden Verkommenheit und Rechtsferne der Akteure verwundert im deutschen Familienrecht mit Blick auf die Verlautbarungen von Richtern, Verfahrensbeiständen, Gutachtern und Jugendamtsmitarbeitern immer wieder das Ausmaß an Ignoranz und Blödheit. das man in einer Kulturgesellschaft mit einem vermeintlich hohen Wissensstand der Funktionseliten kaum für möglich halten sollte.

Mit rechtlichen Mitteln ist den häufig üblen Manipulationen in Familiensachen im Allgemeinen nicht beizukommen: Als ein großes Problem erweist sich der Umstand, dass es im Kreise der Richterschaft nur sehr wenige Dienstvorgesetzte oder Richter in übergeordneten Instanzen gibt, die bereit sind, dienstliches Fehlverhalten von Kollegen oder auf Voreingenommenheit basierende Fehler in der Rechtsanwendung zu rügen bzw. zu berichtigen. Bei Befangenheitsanträgen erlebt der Rechtsuchende regelmäßig das sprichwörtliche Rudelverhalten der Richterschaft: Egal wie deutlich ein Richter einseitig Partei ergriffen und wie plump er getrickst hat, werden entsprechende Anträge, und seien sie noch so gut begründet, in den allermeisten Fällen mit einigen vorformulierten Textbausteinen zurückgewiesen. Die Zeit für eine Dienstaufsichtsbeschwerde kann man sich, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, sowieso sparen: Selbst in Fällen groben richterlichen Fehlverhaltens kommen vom zuständigen Landgerichtspräsidenten nur ein paar billige Floskeln, mit der die Sache abgewiegelt wird.

Mutmaßlich gibt es wohl kein anderes Gebiet des Rechts, in dem man(n) so deutlich erlebt, dass scharenweise Persönlichkeiten ins Richteramt gelangen, die für dieses verantwortungsvolle Amt charakterlich definitiv nicht geeignet sind. Im Familienrecht zeigt sich für die Betroffenen besonders brutal, wie schlimm sich angesichts der großen Machtfülle des Richteramts und der offenkundigen Mängel bei der gegenwärtigen Ausbildungs- und Einstellungspraxis das Fehlen wirksamer Kontrollmechanismen und Sanktionen auswirkt.

Besserung ist bis auf weiteres nicht in Sicht: Selbst gröbste Gesetzesverstöße, fehlerhafte Rechtsanwendungen und Missachtungen des Verfahrensrechts durch Familiengerichte werden von der Beschwerdeinstanz häufig nicht gerügt und die Richter vom Bundesverfassungsgericht stecken ihre Köpfe sowieso tiefstmöglich in den Sand. Von daher drängt sich der Verdacht auf, dass die Entrechtung von Vätern und der Verfall der Rechtskultur im deutschen Familienunrecht von der Justiz gewollt sind und methodisch betrieben werden.

Dumm, faul, feige und verantwortungslos

Im Endeffekt setzen solche Verfahren zumeist beiden Elternteilen, vor allem aber ihren Kindern stark zu; insbesondere letztere belasten sie auf Jahre, wenn nicht gar lebenslang. Durch die sich hinschleppenden gerichtlichen Streitigkeiten und die geballte Unfähigkeit der Beteiligten werden regelmäßig nicht nur die Beziehungen der Eltern untereinander, sondern auch der Kinder zu einzelnen Elternteilen aufs Schwerste beschädigt; häufig zerreißen sogar Geschwisterbindungen, und zwar auf Dauer!

Bei mir war es so, dass mein ältester Sohn unmittelbar, nachdem das Verfassungsgericht Rechtsschutz versagt hatte, aus dem Haushalt seiner Mutter geflüchtet ist. Eigentlich wäre er schon gerne früher abgehauen, aber ich hatte ihn gebeten, die Füße stillzuhalten, da es bei meiner Verfassungsbeschwerde ja auch um seine jüngeren Geschwister ging, für die ich ein paritätisches Wechselmodell erreichen wollte. Der Schritt des Jungen wurde dann von einer neutralen Richterin in einem Blitzverfahren legitimiert. Anfänglich hat er noch jedes zweite Wochenende bei seiner Mutter verbracht. Weil die ihn jedoch immer heftiger dahingehend unter Druck setzte, er solle wieder in ihre Obhut zurückkehren, wurden ihm die Aufenthalte unerträglich. Seit Juli 2013 hat er keinen Umgang mehr mit seiner Mutter.

Jene bearbeitete daraufhin seine jüngere Schwester so lange, bis sie nur drei Monate später, im Oktober 2013, ihren Kontakt mit mir einstellte. Bis dahin hatte mich das Kind eineinhalb Jahre lang regelmäßig, wie es im furchtbaren Juristenslang heißt, "besucht", und zwar jedes zweite Wochenende und noch einen Tag in der Woche (mit Übernachtung). Davor bestand, knapp zwei Jahre lang, eine Umgangsregelung mit ähnlicher Zeitverteilung. 

Seither ist der Kontakt zwischen Bruder und Schwester gänzlich abgerissen, obgleich der Altersunterschied gerade mal 16 Monate beträgt. Dies und auch der radikale Abbruch einer innigen Vater-Tochter-Beziehung scheint weder die Verantwortlichen in der örtlichen Lebensberatung, dem Jugendamt Cochem oder im Familiengericht Cochem auch nur im Entferntesten zu interessieren, obwohl die Hühner dieser drei Stellen für den familiären Supergau verantwortlich sind. Typisch für diese Zunft ist, dass sich die Schuldigen jetzt wegducken und niemand Initiative entwickelt, die durch ihre Inkompetenz und die einseitige Parteinahme für die Mutter verursachte Misere zu beseitigen.

Besonders klasse ist, dass das jüngste Kind, ein achtjähriger Junge, der gegen seinen Willen bei der Mutter festgehalten wird, seit Jahren verstört inmitten dieses Scherbenhaufens steht: Gründlicher hätten die sogenannten "Professionellen" unsere Nachtrennungsfamilie kaum noch zerstören können! Aber wie gesagt: Nachdem sie uns so richtig in die Tonne getreten haben, ist keiner mehr zuständig und das sagt wahrlich viel über die Moralität dieser Subjekte!

Letztlich ist die Praxis der Rechtsprechung hierfür nur vordergründig verantwortlich. Der Kern des Übels liegt in einer indifferenten Gesetzgebung, die überhaupt erst die Voraussetzungen dafür schafft, dass Richter - und damit leider sehr fehlbare (und manchmal auch ziemlich dumme) Menschen über das Wohl oder Wehe von Kindern und Eltern entscheiden dürfen. Die Ursache dafür, dass Jahr für Jahr Tausende von Kindern und ihre Väter zu Opfern selbstherrlicher und willkürlich handelnder "Familien"richter werden, liegt in einem Familienrecht, das diesen Namen wahrlich nicht verdient. Die Texte in diesem Portal sollen dazu beitragen, dass sich die Zustände - dem Beispiel vieler anderer Länder folgend - endlich auch in Deutschland hin zum Besseren ändern

Cochem, im September 2015                                                                                                                                    Markus Haupts

 

Quellen

 1. Die "Welt" 21.04.2016: Trennungskinder sollen mehr als ein Zuhause haben